Ein gemeinsamer Anwalt?

Bei der Trennung von Eheleuten taucht häufig die Frage nach einem gemeinsamen Scheidungsanwalt auf, meist verbunden mit dem Wunsch nach Streitvermeidung und dem Hinweis auf die Kostenersparnis. Die gewünschte Kostenersparnis kann möglich sein, einen gemeinsamen Anwalt gibt es jedoch nicht. Der Rechtsanwalt darf nach strengem anwaltlichen Berufsrecht keine widerstreitenden Interessen vertreten und auch nicht den Anschein erwecken, dass er dies tut.

Artikel Gemeinsamer Anwalt, November2015Eheleute haben im Scheidungsverfahren stets widersprüchliche Interessen, auch wenn sie scheinbar in vielen oder allen Punkten einig sind. Der Anwalt darf nur einen der beiden Eheleute beraten und vertreten. Dies gilt auch für das Ehescheidungsverfahren, in dem der antragstellende Ehegatte zwingend anwaltlich vertreten sein muss.

Als Interessenvertreter des einen Ehegatten ist es dem Rechtsanwalt dabei nicht möglich, gleichzeitig auch die Interessen des anderen Ehegatten hinreichend zu berücksichtigen. Die häufige Folge ist, dass der nicht anwaltlich vertretene Ehegatte im vermeintlichen Einvernehmen nicht ausreichend auf eigene Rechte und Ansprüche in so wichtigen Regelungsbereichen wie Unterhalt, Vermögensauseinandersetzung und Rententeilung hingewiesen wird. Hierdurch kann es zu nicht gewollten Ergebnissen kommen, die später oft nicht mehr korrigiert werden können.

Besondere Vorsicht ist insbesondere dann geboten, wenn eine Trennungs- und Scheidungsfolgenvereinbarung abgeschlossen werden soll. Jedenfalls vor Unterzeichung der Vereinbarung sollte der nicht anwaltlich vertretene Ehegatte diese noch einmal rechtlich von einem Fachanwalt prüfen lassen, damit nicht in Unkenntnis der rechtlichen Bedeutung und Folgen Erklärungen abgegeben oder Vereinbarungen getroffen werden, die so nicht beabsichtig sind und sich im Nachhinein nicht mehr abändern lassen.

Auf den ersten Blick nicht erkennbare, oft erhebliche finanzielle Nachteile wiegen die eingesparten Anwaltskosten nicht auf.

Abgedruckt in Glinder Zeitung Sachsenwald am 24. November 2015

Veränderungen beim Kindesunterhalt

Der zeitliche Anteil, den die Väter in getrenntlebenden Familien bei der Kinderbetreuung wahrnehmen, hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Dies hat auch Einfluss auf die Höhe des Kindesunterhalts. Wenn der barunterhaltspflichtige Elternteil ein weit über das übliche Maß hinausgehendes Umgangsrecht wahrnimmt, dann können z.B. die in diesem Zusammenhang entstehenden außergewöhnlichen hohen Aufwendungen, wie vor allem Fahrt- und Unterbringungskosten, zum Anlass genommen werden, den Unterhaltsbedarf des Kindes zu reduzieren. Der so ermittelte Unterhaltsbedarf kann darüberhinaus gemindert sein, wenn der barunterhaltspflichtige Elternteil dem Kind im Zuge seines erweiterten Umgangsrechts Leistungen erbringt, mit denen er den Unterhaltsbedarf des Kindes auf andere Weise als durch Zahlung einer Geldrente teilweise deckt.

Artikel Wenn Vaeter aktiv sind, April2015Entscheidend ist also, ob der Anteil des anderen Elternteils an der Betreuung über das bisher übliche Maß hinaus geht. Bei diesem erweiterten Umgang hängt die Unterhaltshöhe oft von der richterlichen Schätzung ab. Wenn sich die Eltern in der Betreuung vollständig abwechseln (sog. Wechselmodell), so dass jeder von ihnen etwa die Hälfte der Versorgungs- und Erziehungsaufgaben wahrnimmt, sind beide Elternteile barunterhaltspflichtig. Etwaige Mehrkosten, die sich durch die Aufteilung der Betreuung ergeben, sind dem Unterhaltsbedarf hinzuzurechnen. Es kommt dann auf die Höhe der Einkommen beider Elternteile an, die Barunterhaltspflicht des einzelnen Elternteils errechnet sich in diesen Fällen ähnlich wie beim Unterhalt Volljähriger nach dem Verhältnis der Einkommen der Eltern zueinander. Bereits erbrachte Naturalleistungen sind anzurechnen. Es empfiehlt sich vor diesem Hintergrund ggf. die Unterhaltshöhe von einer Fachanwältin / einem Fachanwalt für Familienrecht überprüfen zu lassen.

Abgedruckt in Glinder Zeitung Sachsenwald am 28. April 2015