Unterhalt während des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ)

Viele Jugendliche, die jetzt im Sommer die Schule verlassen, möchten noch nicht sofort eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, sondern sich für ein Jahr ehrenamtlich engagieren. Hierbei stellt sich die Frage, ob in der Zeit, in der ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) gemacht wird, ein Anspruch auf Unterhalt gegen die Eltern besteht.

Artikel müssen Eltern zahlenGrundsätzlich ist für einen Unterhaltsanspruch von Kindern Voraussetzung, dass eine eigenen Lebensstellung fehlt. Dies ist bei Schülern, Auszubildenden und Studierenden der Fall. Bei der Ableistung eines Freiwilligendienstes ist dies jedoch anders. Hier hat das Kind bereits vor Abschluss der Ausbildung eine eigene, nicht von den Eltern abgeleitete Lebensstellung erreicht. Kinder, die ein FSJ machen, haben eine originäre Lebensstellung eingenommen. Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass der Unterhaltsanspruch entfällt. Zunächst wurde danach entschieden, ob das FSJ lediglich der Überbrückung einer Wartezeit diesen soll, in diesem Fall hat das volljährige Kind keinen Unterhaltsanspruch.

Dient das FSJ der Vorbereitung eines Studiums, z.B. eines Medizinstudiums, ist möglicherweise ein Unterhaltsanspruch vorhanden. Diese Unterscheidung wird inzwischen nicht mehr immer von den Gerichten geteilt. Dem FSJ kommt durch das Jugendfreiwilligendienstgesetz ein stärkerer Ausbildungszweck zu, da die Förderung der Bildungs- und Beschäftigungsfähigkeit bezweckt wird. Der Schwerpunkt der FSJ liegt jetzt nicht mehr auf der Hilfstätigkeit in gemeinwohlorientierten Einrichtungen, sondern auf der Jugendbildung. Somit kann das FSJ bereits als angemessener Ausbildungsschritt angesehen werden. Dies gilt jedenfalls dann, wenn das FSJ als Orientierungsphase zu einer Entscheidung des Volljährigen über seinen anschließenden Ausbildungsweg führt. Hierbei kommt es aber auch auf die Länge an.

Ob bei einer Dauer von einem Jahr noch von einer Orientierungsphase gesprochen werden kann, ist abhängig vom Einzelfall. In der Regel wird dies dann nur zutreffen, wenn weiterhin ein sozialer Beruf angestrebt wird. Das Taschengeld, dass der Volljährige im FSJ erhält, wird in jedem Fall auf den Unterhalt angerechnet.

Abgedruckt in Glinder Zeitung Sachsenwald am 03. Mai 2016